Abteilung Oberböhringen

1956 - 1974

Kleinster Ortsteil unserer Gesamtgemeinde Bad Überkingen ist Oberböhringen auf dem Michelsberg. Jetzt könnte vermutet werden, dass somit auch der Löschzug Oberböhringen der kleinste von allen ist.
Mit insgesamt 18 Mann liegt er aber noch vor den Löschzügen Hausen und Unterböhringen mit jeweils 17 Feuerwehrmännern. Prozentuell gesehen sind 6,4 % der Oberböhringer Bewohner Mitglieder der Feuerwehr. Bad Überkingen hat zwar mit 26 Männern den stärksten Löschzug, aber umgerechnet sind nur ca. 1,3 % der Bevölkerung auch Angehörige der Feuerwehr (Stand 1995).
Natürlich wurde bei Einsätzen schon früher immer im Rahmen des Möglichen geholfen, oft kam die Freiwillige Feuerwehr Geislingen zur Unterstützung hinzu.

Ursprünglich befand sich das Gerätehaus im alten Schulhaus, Ecke Von-Kraft-Straße und Bronnenbühl. 1956 wurde das Backhaus erweitert und für die Feuerwehr hergerichtet. Dorthin kommen auch heute die Wehrmänner noch.
Da Oberböhringen in früheren Zeiten und auch zum Teil heute noch von den Landwirtschaft lebt, kam es über die Jahre hinweg schon vor, dass ein Bauernhof brannte. Dies war auch schon damals ein Ereignis ersten Ranges für kleinen wie für die großen Dorfbewohner. Wie sehr ein solches Geschehen die Menschen in seinen Bann ziehen kann, können Oberböhringer auch heute noch erzählen. Als Mitte des Jahres 1957 die Nebenscheuer eines Bauernhofes abbrannte, war auch vom Schulhaus aus die Rauchwolke zu sehen. So machte sich auch der Lehrer auf die Socken, das Schauspiel aus der Nähe zu verfolgen. Damit aber die Schülerinnen und Schüler nicht im Wege stünden, hatte er sie kurzerhand im Schulhaus eingeschlossen. Aber hier siegte die menschliche, bzw. die kindliche Neugier und die Mädchen und Jungen stiegen ohne viel Federlesens aus dem Fenster und schauten eben auch zu.
1962 gab es in Oberböhringen für einen Eigentümer an Heilig Abend eine Bescherung der üblen Art. Beim Berghaus St. Michael brannte ein Schuppen, von dem ein Teil als Hühnerstall verwendet wurde. Zusammen mit der Verstärkung aus Geislingen war das Feuer schnell gelöscht. Beim Aufräumen des Brandschutts waren aber die Hühner im Weg und so wurde als sportliche Betätigung vom Löschzug zuerst das Federvieh eingefangen und umquartiert.
Da Oberböhringen bis zur Eingemeindung 1974 Unterböhringen angehörte, gab es keinen eigentlichen Kommandanten, sondern nur Gruppenführer. Geübt wurde früher Sonntags, eigens dazu kam der Kommandant aus Unterböhringen herauf.
Gruppenführer waren, soweit sie sich noch aufzählen lassen:
- Jakob Ströhle
- Eugen Preßmar
- Hans Reichart
- Wilhelm Rösch
- Hans Ströhle 1967 - 1979
- Helmut Reichart 1979 - heute
Bei der Eingemeindung gab es gleich eine kleine Panne. Aus Versehen wurden von der Gemeindeverwaltung auch den Wehrmännern Feuerwehrgebührenbescheide geschickt. Vier Mitglieder waren darüber so empört, dass sie die Feuerwehr verließen. Als Trostpflaster wurden dann neue Ausgehuniformen beschafft.

Auch vom Alter her gesehen kann der Löschzug Oberböhringen auf eine lange Tradition zurückblicken. Das 90jährige Jubiläum des Löschzugs Oberböhringen sollte gebührend gefeiert werden. So wurde 1977 das Michelbergfest ins Leben gerufen. Am 17. September waren die Bevölkerung und etliche Feuerwehren nach Oberböhringen geladen. Nach dem Festgottesdienst und einer Schauübung folgte der gesellige Teil. Als Attraktion wurde die Blaskapelle auf einem Pferdefuhrwerk zum Festplatz gebracht. Als Einlage wurde den interessierten Zuschauern gezeigt, wie zu einer Zeit, als es noch keine Landmaschinen gab, das Korn gedroschen wurde. Die Prominenz mit Bürgermeister Stirm, Kommandant Enderle und Kommandant Mayer versuchten sich ebenfalls und - so vermerkt der Zeitungsbericht dazu - "... mussten feststellen, dass sie über die "Flegeljahre" noch nicht hinaus sind".

1974 - heute

Im August 1983 konnte eine große Lücke im Brandschutz geschlossen werden. Der Anhänger des Löschzugs Unterböhringen wurde übernommen. Erst mit diesem Anhänger kam auch eine Tragkraftspritze nach Oberböhringen. Am selben Tage ist auch der gebaute Löschbehälter mit 200 Kubikmetern Wasser übergeben worden. Vorher war nur ein Handkarren mit Schlauchhaspeln da, Wasser konnte nur von den Hydranten entnommen werden. Der Anhänger blieb bis 1994 das Löschfahrzeug für Oberböhringen. In diesem Jahr bot sich eine ungeahnte Chance. "Schwabenspritze für Hellas" stand damals in großen Lettern in der Zeitung zu lesen. Diese Schwabenspritze, ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug), steht heute aber nicht in Griechenland, sondern in Oberböhringen. Der Hintergrund:
Bei der Freiwilligen Feuerwehr Ditzenbach bekam der Löschzug Auendorf ein neues Fahrzeug. Doch bevor das alte TSF beim Schrotthändler enden sollte, könnte es ja noch anderstwo seinen Dienst versehen, bevor die Altersschwäche gar zu spürbar wurde. So sollte es über einen LKW-Händler nach Griechenland verkauft werden. Da das Fahrzeug aber ohne Ausrüstung und Pumpe geliefert werden sollte, trat der Käufer von diesem Geschäft zurück. Der LKW-Händler, auch ein Mitglied im Überkinger Gemeinderat, schaltete schnell; er bot der Gemeinde das Fahrzeug zum Kauf an. Die eine Hälfte würde als Spende bezahlt werden, die Gemeinde hätte also nur noch den Rest des Preises zu begleichen.Der Vorschlag fand in der nächsten Gemeinderatssitzung ein so großes Echo, dass die Gemeinderäte und Bürgermeister Joos sich spontan bereit erklärten, für die restliche Summe aufzukommen. Gesagt, getan, jedes Mitglied des Gremiums zückte seinen Geldbeutel und binnen kurzer Zeit hatte der Kämmerer von einem jedem einen 100 DM Schein in der Hand. Am 4. September 1994 beim Michelbergfest in Oberböhringen war es soweit. Bürgermeister Joos übergab Löschzugführer Helmut Reichart symbolisch die Schlüssel für das Fahrzeug.
Vom Anhänger zum TSF ist es ein großer Schritt, trotz dessen Alters. Es muss kein Traktor kommen, um den Anhänger zu ziehen, die Feuerwehrmänner müssen nicht mehr hinterherrennen oder mit dem eigenen Auto folgen, die Unglücksstelle kann schneller erreicht werden und das alles auf einen Schlag. Wenn man nun bedenkt, dass mit dem Berghaus St. Michael, dem Heim der Aidlinger Schwestern und den Anlagen des Golfplatzes auch größere Gebäude außerhalb Oberböhringens bestehen, so ist das TSF sicherlich keine zu üppige Ausstattung.
Wie bei den anderen Löschzügen ebenfalls, hilft man sich gegenseitig, wenn in einem anderen Ortsteil Not am Manne ist und der eigene Löschzug nicht mehr ausreicht, so z. B. beim verheerenden Hochwasser von 1994 in Bad Überkingen. Außer Hausen und Unterböhringen war auch Oberböhringen mit dabei und so ist auch dieser Löschzug mit seinen 13 Mitgliedern ein wichtiger Teil unserer Gesamtfeuerwehr.

2008 wurde dann die Fahrzeugsituation durch die Beschaffung eines gebrauchten Tragkraftspritzenfahrzeuges nochmals verbessert. Dieses Fahrzeug wurde von der Gemeinde Wangen übernommen, nachdem der dortige Löschzug Oberwälden aufgelöst worden war.

Im Jahre 2012 geht dann ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung - das Feuerwehrgerätehaus wird umgebaut. In mehreren hundert Stunden Eigenleistung unterstützen die Kameraden der Abteilung Oberböhringen die Umbaumaßnahme.